Jamon oder Sal de Mer

Tommy R. Möbius erinnert in seiner Akribie und Leidenschaft etwas an Louis de Funés in seinem Film „Brust oder Keule“. Er wehrt sich gegen künstliche Geschmacksverstärker, tritt gegen die Verstümmelung des originären Produkts ein und versucht fast missionarhaft von der Einfachheit der guten Küche im Gegenzug zu JUnk Food zu überzeugen. Er setzt sich dafür ein, dass sein Gast Spass am Essen hat, indem er, Möbius, das Produkt zum Star auf dem Teller macht. Mit minimalem aber hochwertigem Aufwand erzielt er die maximale Wirkung.
Sal de Mer hier, aussergewöhnliche Kräuter dort, internationale Produkte zu heimischen Spezialitäten verarbeiten, nationale Gerichte mit internationalem Einfluss produzieren – das ist seine Stärke.

Der Mann aus dem Osten, aus dem wunderschönen Sachsen, ist dabei sehr von den Spaniern und ihrer Ideenvielfalt bei Produkt und Kreativität angetan. 2010 besuchte er in Mallorca die Salzfarm, auf der das weltberühmte Sal de Mer hergestellt wird. Er schöpfte es, packte es ab und servierte es fortan in seiner Wiener Wirkungsstätte.

Nun, in seiner neuen, in seiner Ketscher Periode, macht er einen Schritt weiter. Und dies nicht allein. In Christoph Dreyer hat er einen Seelenverwandten gefunden, der die Leidenschaft zum einfachen aber hochwertigen Produkt teilt – bei Lebensmitteln, Zutaten oder Weinen.

Dreyer hat die Bewegung Slowmeat ins Leben gerufen – und kämpft damit gegen Typen wie denGroßindustriellen Jacques Tricatel in „Brust oder Keule“. Dabei geht es nicht nur um ausgewogene Tierhaltung sondern den kulturellen Umgang mit der Lebensmittelgewinnung, der sich historisch gerade in Spanien sehr ausführlich dokumentieren lässt.

Vor 10 Jahren hat Dreyer sich in Spanien verliebt und lässt seine Partner diese aufrichtige und kompromisslose Liebe bei der Zusammenstellung seiner Produkte fühlen. Die Akzeptanz und die Begeisterung spanischer Lebensführung und Alltagskultur bilden die Basis dafür.

Gemeinsam wollen die beiden sehr unterschiedlichen Herren, die vordergründig nur ihr Geburtsland, die ehemalige DDR, verbindet, dem Gast und Konsumenten die Leichtigkeit und Vorzüge solcher Produkte und deren Küche anschaulich machen.

Die gemeinsame Leidenschaft und die Ehrlichkeit, mit der sie mit sich und dem gesamten Thema umgehen, lassen für das Restaurant „Die Ente“ im Seehotel Ketsch neue Perspektiven eröffnen, die vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Europas einmal mehr als logisch erscheinen.

Schreibe einen Kommentar